Die Enigma diente der deutschen Wehrmacht,
der Luftwaffe sowie der Kriegsmarine im gesamten zweiten
Weltkrieg zum verschlüsseln der jeweiligen Funksprüche. Es
existierten zum damaligen Zeitpunkt die verschiedenste
Chiffrier-Schlüssel. So gab es für "Heimische Gewässer"
und "Außerheimische Gewässer" jeweils einen eigenen
Schlüssel, U-Bootübungsschlüssel sowie einen speziellen
Schlüssel dessen Verwendung Offizieren vorbehalten war.
Insgesamt gab es mehr als 60 verschiedene Schlüssel.
Die
Erfindung des in der Enigma verwendeten Arbeitsprinzips geht auf
die Jahre des Ersten Weltkriegs zurück, als der amerikanische
Bauunternehmer Edward Hugh Hebern (1869 - 1952) 1917 eine
rotierende Vorrichtung zur polyalphabetischen Substitution mit
unabhängigen Alphabeten erfand. Er bot seine Chiffriermaschinen
vergeblich dem amerikanischen Militär an. 1918 meldete der
Ingenieur Arthur Scherbius (1878 - 1929) das Rotorprinzip zum
Patent an. Er stellte in seiner Chiffriermaschinen AG in Berlin
die mit dem griechischen Wort für Rätsel als "Enigma"
bezeichnete Maschine her und führte sie 1923 in Bern und 1924
beim Weltpostkongress in Stockholm der Öffentlichkeit vor. Die
Enigma war damals nicht geheim. 1927 kaufte Scherbius die
Patente des Niederländers Hugo Alexander Koch. Die technische
Weiterentwickelung der Enigma leitete nach Scherbius Tod 1929
Willi Korn. In Deutschland übernahm die Reichswehr die
Enigma, und als mit Hitler 1933 die massive Aufrüstung
eingeleitet wurde, gehörte die Enigma zum Programm. Während des
Zweiten Weltkriegs war die Enigma zwar die meistverwendete,
jedoch nicht die einzige Verschlüsselungsmaschine der deutschen
Stellen. Die strategischen Nachrichten wurden mit wenigen noch
komplexeren Geräten chiffriert.
Seit 1933 wurde die Enigma beim Heer, bei der Marine und beim
diplomatischen Dienst weiterentwickelt. Schon Scherbius hatte
das Rotorsystem 1928 durch ein Steckbrett ergänzt, mit dem die
Verschlüsselung noch komplizierter wurde. Das Funktionsprinzip
beruht auf einfachen Stromkreisen, von denen jeder eine
Buchstabentaste des schreibmaschinenüblichen Tastenfelds mit
einem elektrischen Lämpchen verbindet, das auf dem Anzeigenfeld
einen Buchstaben aufleuchten läßt. Mit jedem Tastendruck
leuchtet ein neuer Buchstabe auf. Jeder einzelne Stromweg führt
durch jede der drei Walzen über jeweils einen vorderen und einen
hinteren Kontakt bis zur so genannten Umkehrwalze und von dort
wieder zurück durch sämtliche Walzen und zusätzlich durch die
Stecker des Steckfeldes. Die Verschlüsselung findet durch ein
recht kompliziertes System statt: in jeder Walze sind nicht die
sich gegenüberliegenden Ein- und Ausgangskontakte miteinander
galvanisch verbunden, sondern sie sind nach einem bestimmten
System gegeneinander verschränkt; die Steckanordnung auf dem
Steckbrett wird variiert; bei jedem Tastendruck werden die
Walzen nach einem bestimmten System um eine Stelle
weitergedreht; aus einem Satz von fünf werden jeweils drei
ausgewählt und in jeweils neu festgelegter Reihenfolge
eingesetzt; auch die Anfangseinstellung der Walzen wird immer
neu festgelegt; an jeder einzelnen Walze wird ein Einstellring
eingestellt. Beim Betrieb während des Kriegs wurden die
verschiedenen Einstellungen alle acht Stunden gewechselt.